ALLGEMEINES  -  DEFINITIONEN
  
 
  
Die heutige Klassifikation des Diabetes richtet sich in erster Linie nach diesen Mechanismen der Krankheitsentstehung. Aufgrund weiterer Kriterien können neben dem klassischen Typ 1 oder 2 noch verschiedene Sonderformen des Diabetes unterschieden werden. Neben genetischen Defekten und Autoimmunprozessen, die für Krankheitsbilder wie den MODY (=maturity onset diabetes of the young) oder den LADA (=latent autoimmune diabetes with adult onset) verantwortlich sind, können auch Bauchspeicheldrüsenerkrankungen, Infektionen oder Schädigungen durch Medikamente zu einem Diabetes führen. Da alle Diabetesformen im Verlauf eine Insulintherapie notwendig machen können, stellte sich die Insulinpflichtigkeit als ungeeignetes Klassifikationskriterium heraus, die früher gebräuchliche Einteilung in IDDM (insulin dependent diabetes mellitus) und NIDDM (non insulin dependent diabetes mellitus) ist deshalb obsolet. Auch die Unterteilung des Diabetes Typ 2 (früher Typ II) nach dem Vorliegen einer Übergewichtigkeit (Typ IIa = ohne Adipositas, Typ IIb = mit Adipositas) wurde aufgegeben.
      
Das Hormon Insulin wird in der Bauchspeicheldrüse (=Pankreas) gebildet. Es handelt sich dabei um ein kleines, drüsiges Organ im Oberbauch des Menschen, das zwei sehr unterschiedliche Funktionen erfüllt. Zum einen bildet das Pankreas als Drüse des Verdauungskanals ein Sekret, das Enzyme für die Eiweiß-, Kohlenhydrat- und Fettverdauung enthält. Dieser so genannte Bauchspeichel, etwa 0,5-1,5 l täglich, wird in den Dünndarm abgegeben. Dort bewirken seine Enzyme, dass die Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette der aufgenommenen Nahrung so aufgespalten werden, dass sie in den Blutkreislauf gelangen und für den Körper verwertet werden können. Gleichzeitig ist das Pankreas aber auch eine so genannte Hormondrüse. Steigt nach einer Mahlzeit der Blutzucker an, produziert sie Insulin und gibt dieses direkt ins Blut ab. Es besteht also eine direkte Beziehung zwischen dem Blutzuckerwert und der Insulinproduktion.

  
Die Zellen, in denen das Insulin gebildet wird, sind die so genannten Langerhansschen Inseln (nach ihrem Entdecker Paul Langerhans) oder B-Zellen. Sie liegen inselartig gruppiert über die gesamte Bauchspeicheldrüse verteilt. Besonders reichlich sind sie im Schwanz des Pankreas zu finden. Ein gesunder Erwachsener hat ca. 1 Million solcher Inselzellen.
 
Das Insulinmolekül ist ein Eiweiß, das aus zwei Aminosäureketten besteht. Es nimmt eine zentrale Rolle in der Regulation des gesamten menschlichen Stoffwechsels ein. Seine Bedeutung für den Glukosestoffwechsel ist dabei an erster Stelle zu nennen. Wie bereits beschrieben, wird bei einem Anstieg des Blutzuckerspiegels, z.B. nach einer kohlenhydratreichen Mahlzeit, Insulin vom Pankreas gebildet und ins Blut abgegeben. Dieses Insulin wirkt an so genannten Insulinrezeptoren (=Empfänger) bestimmter Körperzellen, vor allem im Muskel- und Fettgewebe, und sorgt dafür, dass diese Körperzellen Glukose aus dem Blut aufnehmen und verwerten können. Das geschieht durch eine Erhöhung der Durchlässigkeit (Permeabilität) für Glukose an der Membran dieser Zellen. Es handelt sich dabei um einen selektiven Prozess, der nicht für alle Körperzellen stattfindet, weshalb auch nicht alle Zellen Glukose aus dem Blut aufnehmen können. Glukose ist für viele Körperzellen ein wichtiger Energielieferant. Nur mit Hilfe dieser Energie sind z.B. Muskelzellen in der Lage, ihre Aufgaben wie die Muskelarbeit zu verrichten. Neben seiner großen Bedeutung für die Verwertung der Glukose aus der aufgenommenen Nahrung zeigt das Hormon Insulin auch Wirkung auf den Fettstoffwechsel und die Verwertung von Aminosäuren, die die Bausteine der Eiweiße sind.